2. Januar 2011

Markus | Wenn die Würste Curry tragen | Blogeintrag zum Jubiläumsspiel von Eggertspiele

Eggertspiele_LogoIch bin dabei!

SAZ-Party 2009. Ich stehe mit Peter Eggert und Phil El Alaoui (der wahrscheinlich einzige Mensch, der alle 5 Vokale in seinem Nachnamen trägt – aber das nur am Rande!) gemeinsam an einem Bistro-Tisch. Mir wird begeistert von der Bruzzelhütte berichtet. Deutschlands beste Currywurst. Der Typ, dem der Laden gehört, fährt mit einer Stretchlimousine voller Cheerleader zu irgendwelchen Schärfe-Contests in der Republik und macht ein Riesenspektakel um seine ach so scharfen Currywürste… Scharf…niedlich…das erzählen sie mir. Ich esse zu meiner Frühlingsrolle so viel Sambal Oelek, wie andere Majo zu ihren Pommes. Sofort reiße ich den Hafen auf: “In Sachen Schärfe macht mir niemand etwas vor…Piri Piri ist mein zweiter Vorname…die Zunge muss bluten, sonst war’s nicht gut gewürzt” – Drei Tage später hatte ich die Einladung nach Hamburg in meinem Postfach.

Ich sagte selbstredend umgehend zu. Erstens hat man mich zum Essen eingeladen – und wer mich kennt, weiß, dass man mich damit immer lockt. Und zweitens, sollte das Essen auch noch scharf sein! Herrlich.

Im Kinnwasser gurgelnd machte ich mich dann einige Tage später auf in Richtung Hamburg, noch nicht ahnend, auf welchen Horrortrip ich mich da begeben habe…

Nach einem netten Nachmittag in den neuen Eggertschen Verlagsräumen (die haben den Innenausbau nicht rechtzeitig zum Umzug fertig bekommen, und erzählen jetzt allen, dass die nicht verputzten Betonwände Teil des künstlerischen Konzepts eines hochbegabten Innenarchitekten sei…hab ich gelacht) ging es dann endlich in die Bruzzelhütte.

Der Schuppen trägt den Namen “Bruzzelhütte” übrigens zu Recht. Mehr als eine Hütte stand da nicht. Aufgrund des schönen Wetters nahmen wir an einem Tisch im benachbarten Garten platz. Sogleich legte man mir die Speisekarte vor. Ich schlug auf und konnte mir eine Currywurst in den Schärfegraden von 0 bis 12 aussuchen. Gedanklich schon an einer “12″ knabbernd las ich dann das Kleingedruckte:

Eine “5″ beispielsweise hat das Niveau von Sambal Oelek…alles ab der “10″ ist mit einem Totenkopf versehen, der Kunde muss vorher eine Erklärung unterschreiben, wonach er niemanden für den plötzlichen Schärfetod verantwortlich macht. Eine “12″ hat ca. 6.000.000 scoville, will heißen, du benötigst 6.000.000 Milliliter Wasser, um einen Tropfen dieser Sauce zu neutralisieren – 6 Kubikmeter Wasser – verstehst Du?

Ich hatte Puls…Bluthochdruck…Panik…Rücken…Füße…alles…

Da saß ich nun, zusammengekauert im Garten der Bruzzelhütte und nach eigenem Ermessen, wäre eine “6″ das höchste der Gefühle…Was sollte ich tun?

“Ich warte einfach, was die anderen bestellen und werde dann die “höchste” Bestellung noch um eins toppen…wenn ich Glück habe, komme ich dann auch mit der “5″ davon…”

Alles verlief traumhaft…Peter bestellte eine “4″, Tobi eine “3″, Martina reichte sogar die “0″. Das haut hin mit der “5″, dachte ich…bis Phillip bestellte. “Ich hätte gern die 9″ hat er gesagt. Neun – Neun – er hat Neun gesagt…NEUN!!!!

Die haben mich eingeladen, weil ich erzählt hab, dass ich der “King of Currywurst” bin, da kann ich jetzt nicht kneifen.

Hätte ich einmal erzählt, ich wäre Weltmeister im “Hau den Lukas” oder so was in der Art. Aber nein, ich musste ja damit prahlen, das es mir nicht scharf genug sein kann. Also ballte ich die Hände zu Fäusten, nahm all meinen Mut zusammen und während ich meine Halsschlagader pulsieren hörte, sagte ich einfach “10″…

Was dann kam, war nicht schön… Den ersten Bissen bekam ich noch gekonnt herunter, beim zweiten bildete sich bereits Schweiß auf der Stirn, den dritten konnte ich nur noch mit heraushängender Zunge bewältigen und beim vierten hätte ich mir eine Schere gewünscht, um mir diesen brennenden Fremdkörper, der eben noch meine Zunge war, aus der Mundhöhle zu schneiden.

Und während ich mich am liebsten hinter vorbeifahrende Lkw geschmissen hätte, sagte Phil zu mir: “Es gibt ein ganz tolles Gegenmittel”

“Hä wawi”, schrie ich (aufgrund der geschwollenen Zunge konnte ich “Her damit” nicht besser artikulieren). Darauf hin Peter: “Du unterschreibst auf diesem Papier und Phil erlöst dich von deinem Leiden.”

Ich hätte alles unterschrieben, was bei drei nicht auf den Bäumen gewesen wäre, wenn nur dieser Schmerz nachlassen würde. Also unterschrieb ich unter Tränen (ja, alle Poren meines Körpers standen sperrangelweit offen und ließen Flüssigkeit ab… ich hätte die 6 Kubikmeter Wasser vermutlich selbst produzieren können) und bekam dann von Phil meine Rettung gereicht…eine kleine Flasche Kakao.

Es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt, die Schwellung zurück geht und der Schweiß nicht mehr in Bächen fließt.

Nach einer weiteren halben Stunde hatte auch mein Puls wieder eine halbwegs normale Frequenz und ich konnte erstmals lesen, was ich da unterschrieben hatte.

Es war der Vertrag für ein “Jubiläumsspiel”…

Drei Dinge habe ich an diesem Wochenende gelernt.

1. Manchmal sollte man einfach besser die Klappe halten

2. Man kann tatsächlich Angst vor einer Currywurst haben

und

3. Eine “10″ macht gefügig!

Was soll´s – ich bin dabei!

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