Die Spielebaustelle
- Wie erfindet man ein Spiel?
- Der Weg von Guatemala Café
- Projekt "Spiele-Erfinder-AG"
- Die 4. Spieleautorentage in Weilburg
Wie erfindet man ein Spiel?
Dies ist wohl die Frage, die man uns am häufigsten stellt.
Zunächst muss man das Spielen lieben und wohl auch viele Spiele kennen. Die Grundvoraussetzung ist wahrscheinlich ein gewisses Potential an Kreativität und Ideenreichtum. Dann kann man eigentlich schon loslegen. Bei uns gibt es drei Wege, wie es zu einer neuen Spielentwicklung kommen kann.
- Es läuft mal wieder nichts im Fernsehen und wir haben keine Lust zu spielen - also setzen wir uns zusammen und werfen unsere Ideen auf den Tisch. Eventuell durchstöbern wir auch unsere alten Prototypen und Notizen nach brauchbaren Mechanismen. Manchmal haben wir Glück und wir haben genug Einfälle um mit einem neuen Spiel zu beginnen.
- Ein Verlag weist uns auf geplante Veröffentlichungen oder Themenbereiche hin und bittet um einen Prototypen. Dann beginnt das ganze erst einmal mit einer ausgiebigen Recherche. Das Internet wird durchforstet und Bücher gewälzt. Danach gibt es verschiedene überlegungen, die wir anstellen müssen: Welcher Mechanismus passt zum Thema, was ist die Zielgruppe und demzufolge der Schwierigkeitsgrad, wie viel Material darf in die Schachtel? Das ist schon sehr aufwändig, weil der Rahmen in solchen Fällen genau vorgegeben ist.
- EINER von uns hat eine Idee. Meistens ist diese Idee zu einem neuen Spiel schon recht grundlegend. Oft sind Hauptmechanismus, Thema und Material schon geplant. Dann kommt auch schon die erste Hürde. Die Idee muss durch die „Hauskontrolle”. Das sieht bei uns dann so aus: Wir setzen uns an den Küchentisch und die Idee wird vorgetragen. Wenn Markus eine Idee vorträgt muss er immer Skizzen machen, damit ich folgen kann. Markus kann mir übrigens immer folgen, eine Skizze von mir, würde wohl eher zur Verwirrung beitragen. ENTWEDER die Idee begeistert und wir fangen sofort an. Dann wird diskutiert, geschliffen und gestrichen. Blätter werden mit ersten Spielplanskizzen voll gekritzelt und Materialkisten durchwühlt. ODER die Idee fällt durch - das ist hart. Man hatte sich alles schon ausgemalt und Lust gleich loszulegen. Meistens sind die Argumente (gibt es schon so ähnlich, funktioniert so nicht, wer will denn so was spielen?) überzeugend genug und die Idee wird auf Eis gelegt. Manchmal bearbeitet man die Idee trotzdem und bastelt einen Prototypen um ihn später noch mal zusammen auszuprobieren. Das hat auch schon ein paar Mal funktioniert, passiert aber eher selten. Eigentlich sind wir immer einer Meinung (zumindest was Spielideen betrifft). Und egal wer nun die Grundidee hatte, unsere Spiele werden immer gemeinsam bearbeitet. Es gibt kein Spiel von uns, wo wir nicht beide maßgeblich an der Entwicklung und Fertigstellung beteiligt waren.
Der Weg von Guatemala Café
Wir hatten wieder Lust ein neues Spiel zu machen. Der Hippodice-Autorenwettbewerb stand vor der Tür und wir wollten dort unbedingt mal mitmachen. Wir hatten noch einen alten Prototypen im Keller, der nie so richtig funktionieren wollte, aber trotzdem sehr schöne Elemente hatte. Den haben wir dann zerlegt. Schnell war klar, dass wir Kaffee anbauen wollten. Neu war die Idee zwei Spielpläne zu benutzen. Auch die Siegpunktleiste sollte ins Spiel integriert werden und eine Bedeutung haben. Dann ging alles sehr schnell. Die ersten Tests liefen gut und wir mussten nur noch wenig verändern.
Dann haben wir die Spielregeln beim Hippodice-Autorenwettbewerb eingereicht. Wir haben uns schon über die Bitte, den Prototypen einzuschicken sehr gefreut und haben das Spiel mit Begeisterung auf die Reise geschickt. Das war irgendwann im Dezember 2005. Dann hieß es warten. Erst Mitte März 2006 fiel dann die Entscheidung. Wir sind zweiter geworden - das war ein riesiger Erfolg. Und was nun? Es tat sich eigentlich nicht viel, all unsere Hoffnungen lagen nun in Göttingen. Dort findet einmal im Jahr ein Autorentreffen statt, wo wir dann auch zum ersten Mal hingefahren sind. Das war recht beeindruckend. Jeder Autor bekommt für ein Wochenende einen Tisch und darf dort seine neuen Ideen und Spiele präsentieren. Fast aus jedem Verlag sind Vertreter anwesend (die entweder durch die Gänge huschen, oder in Gespräche vertieft sind). Der ganze Samstag verstrich, ohne dass etwas geschah. Am Sonntag mussten wir uns bemerkbar machen. Also schnappten wir uns Peter Eggert, der sah so freundlich aus und konnte bestimmt nicht „Nein” sagen. Wir behielten Recht und setzten ihn an unseren Tisch. In der Zwischenzeit hatte sich (zum Glück) Kirsten Becker ebenfalls an unserem Tisch eingefunden. Wir fingen also an unser Spiel so chaotisch wie möglich zu erklären - wir waren einfach viel zu aufgeregt. Kirsten bemerkte Peters skeptischen Blick und bombardierte uns sofort mit Fragen zum Spielablauf, Kniffen und Spielregeln. Plötzlich nahm unsere Beschreibung Struktur an und Peter nickte hin und wieder. Am Ende hat er „Guatemala Café” dann mitgenommen. Hurra! Wir haben viel für das nächste Autorentreffen in Göttingen gelernt (Danke Kirsten!!!) und unser Spiel liegt bei einem Verlag! Nun hieß es wieder Warten.
Kurz vor der Spielemesse im Oktober kam dann der Telefonanruf. Wir machen das Spiel meinte Peter kurz und knapp. Wir haben uns riesig gefreut und nach „Brandscher Tradition” eine Flasche Sekt geköpft. Bis Nürnberg 2007 gab es noch einiges zu überarbeiten, aber dann konnten wir es endlich in den Händen halten.
nach obenProjekt "Spiele-Erfinder-AG"
an der Gemeinschaftsgrundschule
Niederseßmar/Gummersbach im Schuljahr 2008/2009
Was haben wir gemacht?
Zuerst haben wir uns viele verschiedene Spiele und Spielmechanismen angesehen, von Memoryspielen über Würfelspiele bis hin zu Taktik– und Strategiespielen. Die Bandbreite ist beachtlich und nicht alle Kinder kannten viele verschiedene Brettspiele.
Viel Zeit haben wir mit der Themenfindung verbracht. Worum sollte es eigentlich gehen? Die Kinder hatten viele Vorschläge und Ideen, wie z.B. ein Spiel über den Zoo zu entwickeln oder über die Irrfahrten des Odysseus. Die Abstimmung aus rund 20 Themen führte zu folgendem Ergebnis: Es sollte ein Abenteuerspiel werden, in dem man mit einem Schiff die Meere durchsegelt und auf gefährliche Tauchabenteuer geht, um Schätze und alte Wrackteile zu bergen. Natürlich durften hier die Seeungeheuer und Haie nicht fehlen und auch das Schiff sollte im Laufe des Spiels an Ausrüstung gewinnen.
Nachdem wir ein erstes Konzept entwickelt hatten, folgte eine lange Zeit, in der wir nur getestet haben. Dazu haben wir uns zusätzlich an zwei Nachmittagen getroffen. Hier ging es dann um Siegbedingungen, Spieldauer und Spielbarkeit. Immer wieder gab es Diskussionsrunden mit den Kindern, um herauszufinden, wo das Spiel noch hakt, oder wo der Spielspaß auf der Strecke bleibt. Nach 8 Monaten Spiele AG sind die Kinder und wir nun mit dem Spiel zufrieden. Die Arbeit hat sich gelohnt!
In den letzten Wochen haben wir die Bastelarbeiten durchgeführt. Jedes Kind sollte am Ende des Schuljahres einen eigenen Prototyp des Spiels mit nach Hause nehmen können. Die Kinder haben hierfür einige Illustrationen gemalt und sich den Spieltitel ausgedacht. Eine ganz große Aufgabe war sicher das Schreiben dieser Spielregel. Eine Regelschreib-Gruppe hat gute Vorarbeit geleistet, in den letzten Tagen haben dann alle gemeinsam an der Regel gearbeitet. Was die Kinder dann zu Papier gebracht haben, haben wir nur noch zusammengefasst und "etwas verfeinert"
Der Förderverein unterstütze die AG finanziell. Für unser Spiel wurden zum Beispiel Material und Kartons bereitgestellt.
Uns hat die Spieleerfinder-AG und das entstandene Spiel: "Misson Tiefseetauchen" großen Spaß bereitet.
Wir bedanken uns bei den Kindern für die tollen Ideen und die begeisterte Mitarbeit.
Die Spielererfinder waren:
- Carolin Arz
- Lukas Brand
- Eric Renz
- Roman Janke
- Florian Schlösser
- Daniel Seifert
- Florian Stöcker
- Emely Brand
- Niclas Maeding
- Feona Gillmann
- Yessica Neu
- Alina Ramadani
- Laura Wendel
- Hristos Lapsios
- Julian Multhauf
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Die 4. Spieleautorentage in Weilburg
vom 20.- 22.3.09
Die 4. Spieleautorentage in Weilburg waren unsere ersten - aber garantiert nicht unsere letzten! Dieses Fazit hatten wir für uns schon während der ersten Stunden vor Ort gezogen.
Wir können jedem Spieleautoren nur empfehlen, sich auch dort anzumelden, egal ob man nun schon ein Spiel veröffentlicht hat, oder nicht.
Dabei brauchen wir noch nicht einmal über Inhalte zu sprechen, allein das "Drumherum", die vielen tollen Gespräche mit Kollegen, neue Kontakte und interessante Neuigkeiten bereichern unheimlich. Natürlich wird vor allem auch inhaltlich jede Menge geboten. Es ist fast schon traurig, dass man gerade mal Zeit für zwei Workshops findet, so ein Wochenende ist einfach zu kurz!
Über welche Vorträge wir uns im Einzelnen freuen durften und welche Workshops angeboten wurden, könnt ihr sehr gut bei hall9000 in einem - wie immer - sehr schönen und ausführlichen Bericht von Hans-Peter Stoll nachlesen. (Hier der Link dorthin: Externer Link zu Hall 9000)
Wir wurden übrigens gleich mal ins kalte Wasser geschmissen und haben selbst einen Workshop leiten dürfen. Unser Thema: Wie viel von meiner Idee kommt beim Verlag an?
Hier eine kurze Beschreibung zum Thema:
Du findest Dein Spiel perfekt, es gefällt Dir richtig gut und – welche Freude – auch dem Redakteur. Doch leider verwendest Du zu viel Material, das Thema begeistert nicht und der Mechanismus ist zu komplex für die Zielgruppe…Hier beginnt die redaktionelle Arbeit des Verlags. Oft erfährt ein Spiel noch so viele Veränderungen, dass es am Ende ein ganz neues zu sein scheint. Worauf kann man sich einlassen, wofür lohnt es sich zu kämpfen? Oder zählt am Ende nur die Veröffentlichung?
Wir hatten eine Menge Spass dabei und haben mit interessanten Menschen viel und intensiv diskutiert. Das Ergebnis des Workshops, aber auch aller anderen Inhalte des Wochenendes kann man dann ab Herbst in der Publikation zu den 4. Spieleautorentagen nachlesen. Die Zusammenfassung unseres Workshops werden wir bei Zeiten auch hier zur Verfügung stellen können.
Das Wochenende war leider viel zu schnell vorbei - aber im kreativen Wahn, von all dem Input der vergangenen Tage beflügelt, sind wir dann nach Hause gefahren und haben uns erstmals in unserem Leben über einen Stau gefreut, weil wir unerwartet Zeit und Ruhe hatten, um Ideen für ein neues Spiel auszutauschen.
Nun freuen wir uns schon auf die 5. Spieleautorentage in Weilburg, die übrigens vom 19.-21.03.2010 stattfinden. Meldet Euch an, es lohnt sich in jedem Fall - und das nicht nur wegen des Frühbucherrabattes.
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